AUFWIND 6/2021

Der „Icon F5K“ von Modellbau Pollack

Ich finde es stark, wenn sich Leute die Mühe machen etwas Neues zu zeichnen, rechnen und zu produzieren. So ein leichter und leistungsstarker Segler wie der „Icon“ fehlte noch in meinem Hangar. Über einen Messenger war die Kommunikation zu Krisztian Bodnar schnell hergestellt und offene Fragen wurden geklärt. Die angegebene Lieferzeit von wenigen Wochen ließ sofort Vorfreude aufkommen.

Die doppelte V-Form des Flügels finde ich optisch und auch technisch eine super Sache. Die geteilte Tragfläche, die mit einem Vierkant-Carbon verbunden wird, macht den Transport deutlich angenehmer. Auch das V-Leitwerk lässt sich ganz einfach demontieren. Die Ruderhörner am Leitwerk sind so gestaltet, dass man die Seile mit einem Handgriff aushängen und die Leitwerke abziehen kann. Das der „Icon“ mit einem V-Leitwerk ausgeliefert wird, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Dieses und die teilbare Tragfläche waren die Aspekte warum ich den „Icon“ sofort bestellt habe.

Angeboten wird das Modell in einer GFK- und einer CFK-Version. Beim GFK-Flügel besteht die Schale aus 47-g/qdm-GFK und bei der CFK-Version wird die Schale aus Carboweave CW mit 20 Gramm/Quadratdezimeter laminiert. Das Innere der Tragflächen und des Leitwerks besteht aus einem XPS-Schaumkern. Die Schale des Leitwerks wird bei beiden Modellversionen aus GFK hergestellt.

Ich selbst habe mich für die CFK-Version entschieden. Den Bauservice, welchen der Hersteller anbietet, habe ich auch beauftragt. Nach weiterem Nachrichtenverkehr war klar, dass der „Icon“ mit KST-Servos ausgestattet wird. In der Tragfläche wurden „X08“ und im Rumpf die „X06“ eingebaut. Passend zu den beiden Servotypen hat der Hersteller 3D-gedruckte Servorahmen parat.

Die Leitwerksservos wurden im Rumpf, direkt unter der Tragfläche platziert. Typischerweise wird die Anlenkung mit einem Zugseil umgesetzt. Dies bedeutet, das sich in jedem Leitwerk eine Feder befindet, welche die Ruder dauerhaft auf Tiefe drückt. Somit steht das Servo permanent unter Zug und es ergibt sich eine absolut spielfreie und rückstellgenaue Anlenkung. Bedenken, was die Belastung der Servos angeht, muss man keine haben, das System ist tausendfach, auch im harten Wettbewerbseinsatz, bewährt. Die beiden KST-„X08“ für die Querruder wurden direkt in die Tragfläche montiert und die Ruder über Kreuz angelenkt.

Auch eine passende Motor-/Regler-Kombination hatte Kristzian zur Hand. Der Nasendurchmesser am Rumpf beträgt 30 Millimeter und wird mit Hilfe eines 3D-gedruckten Adapters auf 25 Millimeter verjüngt. Bei CN-Models hatte ich einen passenden 25-mm-Spinner und eine Luftschraube 7 x 4,5 Zoll bestellt. Qualität und Gewichte der Teile sind hervorragend. So wiegen beide Luftschraubenhälften jeweils exakt 1,05 Gramm. Der Spinner mit Mittelteil wiegt 5,09 Gramm.

Acht Wochen nach der Bestellung kam das Paket bei mir an. Sofort stand auspacken und zusammenstecken auf dem Plan. Der erste Eindruck war gut, die Oberflächen und die Passgenauigkeit der Teile gefielen mir. Dank des gewählten Bauservice mussten lediglich noch der Empfänger, ein Vario und der Akku platziert sowie das Modell ausgewogen werden. Die passenden Einstellungen für den „Icon“ hatte der Hersteller mitgeliefert.

Aus Platz- und Gewichtsgründen habe ich den „Jeti 6ch“-Empfänger aus dem Gehäuse entfernt und in Schrumpfschlauch eingepackt. Beim Vario habe ich mich für das „X-Vario V2“ von RC-Tool entschieden. Mit gerade mal zwei Gramm und einer Größe von unter zwei Zentimeter ist es genau richtig für das Modell. Eine Auflösung des Sensors von 0,1 Meter und 500 Druckmessungen pro Sekunde klingen vielversprechend. Schon auf der Werkbank fiel mir auf, dass das Vario ein nur sehr geringes Eigenrauschen hat.

Nach einem Abend war der „Icon“ fertig ausgewogen und eingestellt. Bei einem Schwerpunkt von 65 Millimeter und einem 2s-LiPo mit 450 Milliamperestunden betrug das Gewicht 289 Gramm, bei einer Flächenbelastung von 12,25 Gramm/Quadratdezimeter. Für die Wettbewerbspiloten könnte dies von großem Interesse sein, denn laut dem FAI-Reglement darf die minimale Flächenbelastung beim F5k 12 Gramm/Quadratdezimeter betragen.

Schutztaschen waren beim „Icon“ keine dabei, sind jedoch in Planung und werden in Kürze auch verfügbar sein. Da die meisten Schäden bei F3K- und F5K-Modellen beim Transport passieren, musste eine Lösung zum Schutz des Modells her. Nach kurzer Suche bin ich auf die Firma Case Models gestoßen. Die Lieferung der Taschen hat vier Wochen gedauert. Das Warten hat sich jedoch gelohnt, die Taschen sind super verarbeitet und sehr passgenau. Die aufgenähten Schriftzüge „Icon“ auf den Taschen finde ich besonders schön.

Zum Erstflug schien die Sonne und es war kaum Wind spürbar. Das bisschen Wind kam aus Südwest. Hierfür haben wir einen schönen Hang direkt vor der Tür. Aufgebaut war der „Icon“ schnell. Wie auch nicht anders erwartet, war der erste Start absolut unkompliziert und ohne Überraschungen. An der Kante war ein leichtes Tragen spürbar und so konnte ich direkt das Modell etwas testen und schauen was so geht. Auf was ich sehr gespannt war, war die Seitenruderwirkung des V-Leitwerks. Hierfür gibt es 100 Punkte, das V-Leitwerk wirkt super. Das langsame und stabile Kreisen macht richtig Laune.

Der „Icon“ lag auf Anhieb stabil in der Luft und zeigte keine Tendenzen zum Abriss oder hat sonstige Zicken gemacht. Auch das Thema Schwerpunkt war eine Punktlandung. Das Flugverhalten hat mir von Anfang an so gefallen, dass es keine Notwendigkeit gab, etwas am Schwerpunkt zu ändern.

Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig war, schaltete ich den Motor an, schließlich interessierte mich die Antriebsleistung sehr. Mit Motorleistung stieg der „Icon“ senkrecht. Schnell war damit ausreichend Höhe erreicht, um auch mal die Bremse zu testen. Dazu werden die Querruder maximal nach unten gestellt und das Ganze mit Tiefenruder kompensiert. Die Zumischung hatte ich vorab geschätzt eingestellt. Die Feineinstellung erfolgte nun im Flug über einen Drehgeber am Sender. Die Bremse also komplett ausgefahren und die Zumischung des Tiefenruders so lange angepasst, bis das Modell ganz leicht die Nase senkt. Damit verringert sich die Fluggeschwindigkeit sichtlich. Die Querruderwirkung bei voll ausgefahrener Bremse ist spürbar schwächer. Dank der guten Wirkung des Seitenruders lässt sich das Modell auch beim Bremsen problemlos und präzise steuern.

Was den Einsatz solcher leistungsstarken Segelflugmodelle interessant macht, ist das so geniale Kreisverhalten. Dadurch lassen sich bedenkenlos die schwächsten und kleinsten Bärte in niedriger Höhe kurbeln. Für mich ist das Thermiksuchen und Auskurbeln in wenigen Metern Höhe immer ein absolutes Highlight. Findet man keine aufsteigende Luft und der Boden rückt immer näher, so aktiviert man kurz den Antrieb und die Suche geht weiter. Um das ganze möglichst reizvoll zu gestalten, wird der Motor tatsächlich nur ganz kurz eingeschaltet um das Modell wieder auf wenige Meter Höhe zu bekommen. Richtig cool wird es dann, wenn man minutenlang, auf Augenhöhe, sogenannte Nullschieber fliegt.

Genau das habe ich am Mittag des Erstflugs auch immer und immer wiederholt. Einstieg in niedriger Höhe und das Modell langsam und präzise gesteuert. Bei den ersten Flügen eines neuen Modells solche Späße zu machen war nur möglich, weil sich der „Icon“ von Anfang an sehr gut angefühlt hatte und ich ein sehr vertrautes Gefühl beim Steuern hatte.

Die nächsten Flüge ließen nicht lange auf sich warten. Dank des Motors ist auch der Start in der Ebene ein Kinderspiel. Mit dem starken Antrieb lässt sich der „Icon“, ganz ohne Anlauf, bequem aus der Hand starten. Kurzum, meine Erwartungen an das Modell wurden absolut erfüllt und ich freue mich schon auf die weiteren Tage mit dem „Icon“.

Thorsten Rauber